Durch die Verwendung von Kupferlackdraht wird die mechanische Baugröße elektrischer Maschinen in günstiger Weise verringert, wobei sich durch die Konzentration der elektrischen und magnetischen Felder auf kleinerem Raum noch weitere räumliche Einsparungseffekte ergeben. Letztendlich führt diese Verringerung der Baugröße durch kürzere Leistungswege auch zu Energieeinsparungen bei gleicher Leistungsabgabe.
Die Klassifizierung der Lackdrähte erfolgt durch die von der International Electrotechnical Commission (IEC) erstellten Standards 60317 und 60851. Drähte werden nach Temperaturindex (Dauergebrauchstemperatur), Durchschlagspannung und Wärmeschockverhalten eingeteilt.
Drahtlacke sind Lösungen von Polymeren in meist kresolischen Lösemittelgemischen. Alle Drahtlacke werden auf speziellem Drahtlackiermaschinen lackiert und bei
300 ̊ - 600 ̊ C eingebrannt. Dabei werden Lösemittel verdampft und katalytisch verbrannt. Die Wärme wird zum beheizen der Anlage benutzt. Die Polymere vernetzen und es bilden sich unlösliche Filme. Beim Löten von auch bereits mit einer Klinge oder Schmirgelpapier abisoliertem Kupferlackdraht können geringe Mengen hochgiftiges Toluol 2,4 diisocyanat freigesetzt werden, daher ist an Gewerblichen Arbeitsplätze eine Absauganlage erforderlich, privat sollte man gut lüften.
Um glatte, konzentrische und porenfreie Filme zu erhalten, werden Lackdrähte üblicherweise zwischen 6 und 20 mal lackiert und eingebrannt. Als Faustregel gilt, dass der Lackfilm ca. 10% des Gewichtes der Kupferlackdrahtes ausmacht. Der dadurch steigende Durchmesser wird als Zunahme bezeichnet.
Drahtlacke auf Basis von Polyurethanen werden durch die Addition von Hydroxylverbindungen, vorzugsweise hydroxygruppenhaltigen Polystern, an oligomere aromatische Isocyanate aus z.B. Trimethylolpropan und Toluylendiisocyanat, gebildet. Als Lösemittel wird ein Gemisch von technischem Kresol und aromatischen Kohlenwasserstoffen verwendet. Eine vorzeitige Reaktion der Einkomponentenlacke bei Transport und Lagerung wird durch die Blockierung des Isocyanates mit Phenol abgespalten, und das gebildete Isocyanat vernetzt nun mit der Hydroxylkomponete zum Polyurethan. Nichtmodifizierte Polyrethane werden der Wärmeklasse 130 zugeordnet, imidmodizierte der Klasse 155.
Polyurethanlackdrähte sind lötbar, das heißt, sie können ohne vorherige Entfernung des Lackes gelötet werden. Der Lötvorgang erfordert Temperaturen > 340 ̊ C, dabei zersetzt sich der Polyurethanfilm augenblicklich aufgrund der geringen thermischen Beständigkeit der Urethangruppe. Es entstehen gesundheitsschädliche Gase.
Für Wickeldrähte in Spulen, Transformatoren, Relais und Motoren haben sich Beschichtungen mit Polyesterimide als Filmbinder durchgesetzt. Je nach Zusammensetzung und Auswahl der Rohstoffe werden Filme mit unterschiedlichen thermischen, mechanischen und dielektrischen Eigenschaften erhalten. Polyesterimide werden aus Ethylenglykol, THEIC, Dimethylterephthalat, Trimelitsäureanhydrid, Diaminodiphenlaymethan in einer Polykondensationsrektion hergestellt. Handelsübliche Polyesterimide haben ein Hydroxidmassenverhältnis zwiechen 100 und 300 mg/g und eine molare Masse die unter 5000 g·mol-1 liegt. Sie werden als ca. 40% ige Lösungen in einem Lösungsmittelgemisch geliefert. Polyesterimide sind in Europa die am häufigsten eingesetzten Drahtlacke. Polyesterimid-Lackdrähte sind nur teilweise, wenn dann jedoch erst ab 450 ̊ C lötbar.
Bei spulen mit hohen Lagenspannungen und-oder bei hohen Frequenzen (z.B. Schaltnetzteil-Übertrager) ist es üblich, die mit Lackdraht gefertigten Wicklungen zusättlich noch in Tränklack im Vakkum zu tränken und zu trocknen, um Vorentladungen in Luftzwischenräume zu vermeiden und somit die Spannungsfestigkeit im Dauerbetrieb zu erhöhen.
Für selbsttragende Spulen wird Backlackdraht verwendet. Dieser Draht besteht aus einer Temperaturfesten Grundisolation und einer durch erhitzen verklebenden, oft auch dabei polymerisierenden Deckschicht.
Bei unsorgfältiger Verarbeitung, elektrischen Durchschlag oder auf Grund andauernder Vorentladungen im Luftzwischenräumen kann die Lackisolierung jedoch beschädigt werden, es entsteht zu benachbarteb Drahtlagen ein Windungsschluss. Durch den in der entstandenden Kurzschlusswindung induzierten Strom wird der isolierende Lack durch die Hitze noch weiter zerstört, do dass sich Windungsschlüsse ausbreiten und die blanken Drähte schließlich einen Kurzschluss bilden.